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Pfingsten - Das Englmarisuchen von St. Englmar
Zu den großen Kostbarkeiten in der Schatztruhe waldlerischen Brauchtums zählt das Englmarisuchen.
Unweit von Viechtach liegt auf 850 m Seehöhe das höchste Kirchdorf des Bayerischen Waldes, Sankt Englmar. Es ist nach einem Bauern aus dem Passauer Land benannt, der im 12. Jh. als frommer Einsiedler in der Urwaldwildnis hauste. Er lebte von dem, was der Wald ihm gab, hauptsächlich von Beeren, Pilzen und Kräutern.

Viele Menschen kamen mit ihren Sorgen und Nöten zu dem Einsiedler, der oft mit Rat und Tat helfen konnte. Auch der mächtige Graf von Bogen pilgerte einmal zu ihm und holte sich beim Einsiedler Englmar Rat und Hilfe. Er war dabei so angetan von diesem Mann, daß er es fortan für seine Pflicht hielt, für das Auskommen des Einsiedlers zu sorgen.

Von Zeit zu Zeit hatte deshalb ein Knecht dem Einsiedler Lebensmittel in seine abseitige Klause zu bringen. Dem wurde der weite, beschwerliche Weg und die Schlepperei bald zuviel. Er überfiel den braven Beter und erschlug ihn. Die Leiche versteckte er unter Reisig, Schnee deckte bald alles zu. (Es gibt auch Darstellungen, in denen Englmar ob seiner Beliebtheit den Neid eines Gefährten erregte, so daß dieser ihn erschlug.)

Als die Schneemassen dem Frühling wichen und die Wege zur Klause wieder passierbar waren, fanden die Menschen die Klause verlassen. Wundersame Zeichen und lichte Gestalten führten die Pilger jedoch an eine Stelle, wo sie den Toten erblickten. Man schickte nach einem Wagen, bettete den toten Englmar darauf und führte ihn mit Zugochsen talwärts. Dort, wo die Tiere von selbst stehen blieben, beerdigten die Menschen den Einsiedler. Gläubige errichteten bald eine Kapelle. 1188 wurde der Einsiedler Englmar selig gesprochen. Heute erhebt sich anstelle der Kapelle am gleichen Fleck die Pfarrkirche von St. Englmar. Die Gebeine des Eremiten ruhen im kostbaren Reliquiar hinter dem Hochaltar.
Bis heute wahren die Waldler das Andenken an "ihren" Seligen. Alljährlich am Pfingstmontag pflegen sie den beliebten frommen Brauch des "Englmarisuchens". Alles ist auf den Beinen, um mitzuerleben, wie in barocker Art die im Wald versteckte Holzstatue des seligen Englmar aufgefunden und in den Ort gebracht wird. Schließlich ist er ja Dorfpatron und Gründer der Gemeinde. Stilgerecht erstehen sie alle: Der Graf von Bogen, der Abt von Windberg, Einheimische zu Fuß und auf prächtig geschmückten Pferden. Schlichtes Volk und viele Gäste finden sich zuletzt beim Hochamt in der Pfarrkirche von St. Englmar ein.

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