| Die Zeit vom Fest Mariä Himmelfahrt (15.8.) bis Mariä Namen (12. 9.) wird im
Waldland als "Frauendreißiger" bezeichnet. Für die bäuerliche Bevölkerung war
sie früher eine "heilige Zeit". Nach altem Glauben entfalten alle Heilpflanzen
in dieser Zeit besonders gute Wirkung und ihre volle Heilkraft. Nun ist die rechte
Zeit, sie zu sammeln. Sie dienen als Abwehr gegen Flurschäden und Feuer, gegen
Krankheit und Siechtum bei Mensch und Tier, sie wirken auch jedem Zauber und jedweder
Hexerei entgegen.
Kälber, im Frauendreißiger geboren, werden robuster und fruchtbarer als alle
anderen, die Kühe geben jetzt die beste Milch, das Schmalz ist haltbarer als im
Frühjahr und Sommer und die Hühner legen jetzt die größten und schönsten Eier,
die sog. "Fraueneier". Sie tragen kaum Fäulniskeime in sich und halten sich gut
bis Allerheiligen (1.11.).
Überall finden während des Frauendreißigers Festgottesdienste zu Ehren der Gottesmutter
statt. Nach dem Frauendreißiger, so hieß es früher allgemein, hört die Natur mit
dem Schenken und Geben auf. |