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Hindenburgkanzel
Aus dem Lamer Winkel hinauf zur Höhe des Brennessattels unter dem Großen Arber führt die "Scheibenstraße", die oft auch als "Panoramastraße" bezeichnet wird, weil sie großartige Ausblicke über das Waldgebirge beschert. Diese Straße entstand noch in "Handarbeit".

Eine große Zahl von Arbeitskräften, aber nur zwei Maschinen, ein Steinbrecher und eine Walze, waren von 1929 bis 1932 für den Straßenbau abgestellt. Die Menschen, vom Arbeitsamt an die "Baufront" geschickt, hatten täglich oft einen mehrstündigen Anmarschweg zur Baustelle. Deshalb baute man ein "Basislager": In einem Schlafraum nächtigten achtzig!!! Männer, im Aufenthaltsraum sorgten zwei Feldköche aus dem 1. Weltkrieg für die Verpflegung. Der Stundenlohn für die Arbeiter, die sich mühevoll durch das Urwaldgebiet vom Lamer Winkel her heraufkämpften, betrug 56 Pfennige (zum Vergleich: 1 Maß Bier kostete 30 Pfennige). Für das Lager wurde pro Nacht eine Mark vom Lohn abgezogen.

Nur sehr langsam kam das Bauvorhaben in dem steilen Gebiet voran. Deshalb arbeitete man sich auch von Regener Seite aus hinauf zum Brennes. Die Freude über das Zusammentreffen der beiden Baukolonnen oben an der Bezirksgrenze zwischen Kötzting und Regen wurde jedoch stark getrübt: Die Kötztinger Arbeiter erfuhren, daß das Regener Bezirksamt seinen Arbeitern sechs Pfennige mehr Stundenlohn zahlte. Eine Delegation versuchte zu erreichen, daß für gleiche Arbeit auch gleicher Lohn gezahlt werde. Schließlich kam es zum ersten Streik in der Geschichte des Bayerischen Waldes.
Vier Wochen lang bewegte sich nichts. Dann erreichten die Kötztinger Arbeiter die Lohnanpassung, ohne jedoch eine Nachzahlung zu erhalten. Der Bau ging weiter, 1932 wurde die Scheibenstraße im Beisein des damaligen Innenministers eingeweiht.

Die Kötztinger Arbeiter hatten - schon ziemlich weit oben am Berg - ihre liebe Not mit einem recht geschätzten Aussichtsfelsen, einem richtigen "Lug ins Land". Der Rothzollriegel stellte sich der geplanten Trasse in den Weg. Um dem Berg auszuweichen und den Straßenbau in befahrbarer Steigung zu realisieren, mußte ein Teil des Riegels seitlich weggesprengt werden.

Aus dieser Sprengung entstand die eindrucksvolle Felsenkanzel. Ihre Namensgebung erfolgte nicht von offizieller Seite, ein königstreuer Bezirksbaurat, Josef Windisch, benannte das nach der Sprengung kanzelartige Naturgebilde nach dem Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

1945 sprengten die Amerikaner bei ihrem Einzug in den Bayerischen Wald den beliebten Aussichtsfelsen. Bald nach dem 2. Weltkrieg dachte man aber an seine Wiedererrichtung als touristische Attraktion. Abermals war es Josef Windisch, der sich vehement für die Sache einsetzte. 1951 erreichte er den Wiederaufbau. Zahlreiche Prominenz strömte ins Waldland, als die heutige Hindenburgkanzel als Aussichtspunkt und touristische Attraktion am 19. August 1951 ihrer Bestimmung übergeben wurde.

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