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Gläserne Glocke
Im 17. Jahrhundert gelang es dem experimentierfreudigen Hüttenmeister und späteren Glashüttenherrn Michael Müller, eine gläserne Glocke zu fertigen, die einen klaren, reinen Ton hatte. Man hörte ihr Geläut weiter als das aller anderen Glocken. Dadurch wurde sie rasch ziemlich bekannt. Bald aber war sie spurlos verschwunden.
Erst während des 1. Weltkrieges tauchte sie wieder auf. Sie lag, sorgsam in eine Holzkiste verpackt, knapp 300 Jahre lang auf dem Dachboden eines Anwesens in Theresienreut.
Die Nachbargemeinde Bischofsreut hatte erst kürzlich - wie viele andere Orte auch - ihre Glocken zum Einschmelzen für militärische Zwecke abliefern müssen. Man brachte die Glasglocke auf den Turm, wo sie bis zur Anschaffung einer neuen Glocke nach dem Kriege ihren Dienst tat. Dann kehrte die gläserne Kostbarkeit zu ihrem Besitzer zurück.
Auch während des 2. Weltkrieges tat die gläserne Glocke aus den gleichen Gründen wieder Notdienst. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam sie erneut zum Einsatz: Der kleine Sohn einer Frauenberger
Familie kam durch Fundmunition ums Leben. Die Familie hatte ihre Hausglocke ebenfalls im Krieg abliefern müssen, der Dachreiter war leer. Wie es von jeher der Brauch war, konnte man den toten Buben nicht aus dem Haus läuten. Die Nachbarn legten Geld zusammen, pilgerten zur Besitzerin der gläsernen Glocke und baten sie, für kurze Zeit die Glocke an die leidgeprüfte Familie auszuleihen. So kam es dazu, daß die Glasglocke den letzten Weg des Jungen begleitete.
Im Hochsommer 1971 tat die Glocke wieder Dienst, dabei zersprang sie jedoch. Die Glashütte Eisch in Frauenau stiftete danach eine neue Glasglocke. Sie ist noch heute gelegentlich im Einsatz.

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