| Waldmuseum Bischofsreut | Waldmuseum Bischofsreut
Träger: Gemeinde 94145 Haidmühle
Im wohl abgelegendsten Teil des Bayerischen Waldes liegt der kleine Ort Bischofsreut („Reut“ = Rodung). Im Gemeindehaus wurde 1976 auf ca. 80 Quadratmetern Grundfläche ein kleines Museum eröffnet.
Die Besichtigung beginnt schon im Treppenhaus. Auf großformatigen Fotografien ist die Vergangenheit dieses Gebietes festgehalten. So kann man sehen, wie es noch vor wenigen Jahren in Leopoldsreut (1136 m) aussah, dem 1618 (Bischfosreut entstand 1705) gegründeten,1890 noch 160 Einwohner, 1958 nur noch 46 Einwohner zählenden, heute bis auf die Kirche und das ehemalige Schulhaus verschwundenen Dorf am „Goldenen Steig“. Der „Goldene Steig“ war der mittelalterliche Handelsweg von Passau nach Böhmen. Auf ihm wurde vor allem Salz, das aus den bayerischen Salzwerken im Königsseer Gebirge auf Salzach und Inn nach Passau kam, in das salzarme Böhmen geschafft. Als 1692 zugunsten des österreichischen Salzes aus Gmunden die Einfuhr bayerischen Salzes nach Böhmen verboten wurde, kam die Säumerei zum Erliegen und der „Goldene Steig“ verfiel. Wegen des rauhen Klimas ließ sich aus dem Boden nur geringer Ertrag erwirtschaften. Nebenverdienstmöglichkeiten fehlten. Die Bewohner wanderten ab. Die Häuser wurden abgebrochen. Die Wiedergabe eines Stiches aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts zeigt die Anlage der nur von 1822 bis 1859 betriebenen Glashütte in Schwarzenthal (zwischen Bischofsreut und Philippsreut). Die durch schonungslosen Abhieb bedingte Holzknappheit und die wegen des abgelegenen Standortes hohen Transportkosten machten die Produktion unrentabel. Zwei Beispiele, welche die besonderen Existenzbedingungen in diesem Gebiet belegen.
In den eigentlichen Museumsräumen fällt der Blick zuerst auf große, hinterleuchtete Schaukästen. Vorzügliche Farbdias zeigen die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Weiter befinden sich in diesem Raum vor allem Werkzeuge für verschiedene Berufe und auch für Zweige der Hausindustrie. Zu letzterer zählt die Herstellung von Holzdrähten und Siebreifen. Beide Erwerbszweige wurden im Bayerischen Wald noch lange nach 1945 ausgeübt und auch heute kann man ab und zu die in den Gärten zum Trocknen aufgehängten, gebündelten Holzdrähte und Siebreifen sehen. Holzgewerbler wurden „Holzbitzler“ genannt.
Für die Herstellung von Holzdrähten, also langen, dünnen Holzstäben, benötigt man den hier gezeigten besonderen Hobel, dessen Eisen mehrere, scharfkantige Löcher hat. Die Löcher sind entsprechend der gewünschten Dicke und des Profils des Holzdrahtes geformt. Mit diesem Hobeleisen hobelt man dann von astfreiem, spaltbarem Fichten- oder Tannenholz den Holzdraht in der gewünschten Länge, unter Umständen bis über 5 Meter ab. Während bei reiner Handarbeit nur Eisen verwendet werden können, die gleichzeitig nur 2 oder 3 Holzdrähte abgeben, kommt man durch maschinelle Hilfseinrichtungen auf etwa die doppelte Menge. Ein geübter Holzdrahthobler erreicht eine tägliche Produktion von etwa 30 Bündel zu ca. 300 Stück. Die getrockneten Holzdrähte wurden früher zu Zündhölzern, heute vornehmlich zu Jalousinen verarbeitet.
Eine uralte Beschäftigung des Waldlers ist die Siebreifen- bzw. Siebzargenerzeugung. Seit 1553 ist sie für Zwiesel urkundlich belegt. Das in Bischofsreut ausgestellte, unscheinbare hölzerne Maschinchen diente zum Biegen der Siebreifen. Vom grünen Holz abgespaltene breite Späne wurden mit dem Messer geputzt, je nach Holzart auch noch mit heißem Wasser gedämpft und dann in einer solchen Maschine um eine Welle gebogen, um schließlich durch weiteres Biegen über einem Kreuz aus kurzen Holzstöckchen endgültig zu einem Ring geformt zu werden. Mit einem schmalen Holzspan geheftet, wurden in diesen Reifen die folgenden hineingeschoben und mußten daher nicht mehr geheftet werden. In solchen Bündeln wurden die Zargen verkauft.
Daneben sind Werkzeuge für die Holzschuhmacher, für die Seilherstellung, für einige Handwerksberufe und für die Waldarbeit ausgestellt. Hier hängen auch alte Skimodelle, der früher beidhändig benutzten großen Skistecken, der Vorläufer des heutigen Skistockes, und Schneereifen, notwendige Fortbewegungsmittel in diesem besonders schneereichen Gebiet.
Im zweiten Raum stehen kleine Modelle von Häusern der Umgebung, Geräte zur Flachsbearbeitung, eine alte hölzerne Badewanne und anderer Hausrat. Von der Decke baumelt ein geflochtener Bienenkorb, in dem noch die Waben erhalten sind. Zwischen den Fenstern hängen viele der kleinen kammartigen Brettchen, mit denen früher bunte Bänder für Hosenträger und Schürzen hergestellt wurden. Die Kettfäden führt man teils durch die Löcher, teils durch die Schlitze des Webgatters, während die Fadenenden einerseits am Gürtel der Weberin, andererseits an einem Haken befestigt werden. Während eine Hand den Kamm zur Fachbildung hebt und senkt, führt die andere den Schußfaden hindurch.
Geöffnet:
Mittwoch 14.00 - 16.00 Uhr
| | | | Kontaktangaben: | Gemeinde Haidmühle
94145 Haidmühle
Tel. 08556/392 | | |
 |
|